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Die Mitglieder des Heimatvereins Schönfließ e.V. haben lange überlegt, wie die lang angestrebte Denkmalseinweihung würdevoll gestaltet werden kann und dabei festgestellt, dass es gar nicht so einfach ist, die richtigen Worte und einen ansprechenden Rahmen zu finden.

Grundgedanke für den Heimatverein war dabei, die Bergbautradition und das Engagement um die Pflege und Bewahrung dieser in den Vordergrund zu stellen. 

Die Geschichte des Bergbaus in Schönfließ ist reichhaltig und eng mit vielen Bereichen der Geschichte von Fürstenberg und unserer heutigen Stadt Eisenhüttenstadt verwoben. Diese Vergangenheit liegt gerade einmal 67 Jahre zurück und die damit einhergehende wirtschaftliche sowie industrielle Bedeutung ist jedoch zunehmend vielen Einwohnern, Bürgern und Gäste unserer Region fast gänzlich unbekannt. Dabei lässt sich ohne Weiteres die von Heinz-Joachim Hübner formulierte These vertreten: „Mit der Braunkohle fing alles an“ Ohne die Kohle, ohne den Bergbau wäre in der Region ein wirtschaftlicher Aufschwung Anfang des 19. Jahrhunderts schwer denkbar gewesen. Durch den Bergbau wurde unsere Region in die industrielle Entwicklung bzw. in die industrielle Revolution mit einbezogen.

Der Ursprung unserer Bergbauvergangenheit liegt im Jahre 1847 im Wald der Königlichen Oberförsterei Siehdichum in der Nähe von Schönfließ, als beim Abteufen eines Brunnens eine schwarz-blaue, tonige Masse, deren Beschaffenheit man zunächst nicht zu deuten wusste, gefunden worden war. Der erste Abbau erfolgte unter schwierigen bergbaulichen Verhältnissen und einigen Kuriositäten; so verwendete man zunächst äußerst komplizierte Lagerungsaufbauten und die eigene Bevölkerung der Region hatte kaum Interesse an dem neuen Energieträger. Niemand wollte die Kohle haben.

Die vor der Försterei aufgestapelte Kohle soll, so erzählte man, gar zum Selbstbedienungsdepot geworden sein. Als Ergebnis dessen gab man die Förderung zunächst wieder auf. Im Jahre 1856 erfolgte ein neuerlicher Versuch. Es tat sich ein Konsortium zusammen, das 1858 von der Königlichen Regierung zu Frankfurt an der Oder das Recht verliehen bekam, Bergbau zu betreiben. »Präsident bei Schönfließ« wurde das Grubenfeld benannt.

Nach der offiziellen Erteilung der Betriebserlaubnis am 19. Januar 1859 wurde der Betrieb noch im gleichen Jahre eröffnet. In den darauffolgenden Jahren stieg die Zahl der Belegschaft rasant und mit dieser auch die Einwohnerzahl von Schönfließ.

Nach und nach wurde Bergbau durch Erweiterungen, Modernisierungen und Neuaufschlüsse durch kapitalkräftige Unternehmen zu einem Industriezweig; Das Grubenfeld »Präsident bei Schönfließ« wurde zum Stammsitz der 1882 aus der Grubengesellschaft »Präsident« hervorgegangenen »Niederlausitzer Kohlenwerke AG«, später »Kursächsische Braunkohlenwerke AG«.

In Zahlen ausgedrückt bedeutete dies:

• 8x Hauptförderschächte in der Grube Präsident, 1x Brikettfabrik, 1x Umschlaghafen, Schmalspurbahn, 1x vollspurige Anschlussbahn

• es bedeutete einen Anstieg der Einwohnerzahl von 265 Einwohner im Jahr 1846 auf allein 1334 Einwohner bis 1925

• es bedeutete, dass aus der Grube Präsident eine Aktiengesellschaft mit Kohlefeldern in Zschipkau, Klettwitz, bei Pulsberg, in Hörlitz, bei Kostebrau sowie im Senftenberger Revier entwickelte

• und es bedeutete, dass aus einem Aktien-Startkapital der »Niederlausitzer Kohlenwerke AG« von 450 000 Reichsmark allein bis 1938 ein Kapital-Übertrag von 53 Millionen Reichsmark erwuchs.

Drei Mal fand die Bergbau-Tradition, die diese Entwicklungen bedingte, in ihrem 94-jährigen Bestehen ein jähes Ende;

• das eben geschilderte Ende um die 1840er/50er Jahre

• 1927 – als die Grubenanlage in Schönfließ Konkurs anmeldete und der Märkische Elektrizitätswerke Aktiengesellschaft damit die Ausschaltung eines Konkurrenten gelungen war

• und letztlich 1952 nachdem dem Steiger Wilhelm Donath, dem Bergbauinspektor im Ruhestand Max Bierhold, dem Wirtschaftskaufmann Wilhelm Ohnesorge und der Sowjetischen Militäradministration eine Reaktivierung im Jahr 1947 gelungen war.

Vor 93 Jahren fand fast genau dieser Stelle nur wenige Meter weiter schon einmal eine Denkmals-Einweihung statt; damals unter großem Andrang die Einweihung des Kriegerdenkmals für die Gefallenen Schönfließer im 1. Weltkrieg.

Heute möchten wir zur Erinnerung an vor 172 Jahre begonnene Geschichte der Bergbau-Tradition in Schönfließ ein neues Denkmal einweihen. Zur Errichtung dieses Denkmals haben sich die Mitglieder des Heimatvereins Schönfließ e.V. 28 Jahre lang um die Erforschung und den Erhalt dieser Tradition sowie um die organisatorische, inhaltliche sowie finanzielle Untersetzung einer lebhaften Erinnerungskultur bemüht.

Haben Mitglieder des Vereins 1300 Kilometer auf sich genommen, um die Akquise einer historischen Lore zu realisieren.

Haben regionale Unternehmen den Heimatverein Schönfließ e.V. in seinen Bemühungen jahrelang unterstützt.

Für diese Unterstützung möchte ich Ihnen im Namen des Vereins, dessen Mitglieder und der Einwohner unseres Ortsteils danken. Bezogen auf diese ganz unmittelbare Realisierung des Denkmals in den letzten Wochen gilt der Opus Bau GmbH, der ilako Industrielackierung und Korrosionsschutz GmbH & Co. KG, Zank design sowie der Stadtverwaltung Eisenhüttenstadt und insbesondere der Fachbereichsleitung Stadtentwicklung ein besonderer Dank.

Die Bergbau-Tradition hat uns ein Erbe auferlegt;

Das damalige Bergmannsleben war gekennzeichnet durch Anstrengungen und harte Entbehrungen durch Motivation und Tatkraft, durch Mut und Zusammenhalt, durch Engagement für die Gemeinschaft und das Füreinandereinstehen sowie durch die Maxime für die Fortentwicklung der eigenen Heimat einzutreten. An dieses Erbe wollen wir mit diesem Denkmal und durch unser ehrenamtliches Wirken erinnern. Denn Tradition und Erbe bedeutet für uns als Heimatverein Schönfließ e.V. nicht, Asche zu verwahren, sondern eine Flamme am Brennen zu halten.