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Ähnlich wie in vielen Orten Deutschlands wird auch in Schönfließ die traditionelle Zeit der Ausgelassenheit, Fröhlichkeit und überschäumenden Lebensfreude vor Beginn der christlichen Passionszeit gefeiert.

Am Anfang der Feierlichkeiten steht in Schönfließ dabei stets das Zampern, bei dem die Zamper Brüder und Schwestern von Haus zu Haus ziehen und alles sammeln, was die Küchen oder Vorratskammern von Schönfließ so bieten.

Eine Woche später hallt es dann immer wieder "In Schönfließ spielt man wilde Sau! - Helau, Helau, Helau!" lautstark durch die zum "Schönfließer Ballhaus" ausgeschmückte Sporthalle.
Dabei hauen zunächst mit der Altweiberfastnacht besonders die Mädels & Damen so richtig auf den Putz. Den Männern, denen der Zutritt erst nach 21:00 Uhr erlaubt ist, werden an diesem Abend beim Eintritt die Krawatten abgeschnitten. Damit ist für jedermann zu sehen, wer wem an diesem Abend den Schneid abkauft.

Am Samstag ist dann die große Fastnacht, bei der meist bis tief in die Nacht gefeiert, getanz und gelacht wird. Am Sonntag folgt die Kreschke, wo das Erzamperte im gemütlichen Beisammen sein verspeist wird.

 

Geschichte des Zamperns und der Fastnacht in Schönfließ

Der Brauch des "Zamperns" und der "Fastnacht" ist in Schönfließ eng mit einem wahrscheinlich sorbischen Einwohneranteil und dem Fund von Braunkohle im Jahr 1847 verbunden. Durch den genannten Fund und der 1858 beginnenden Förderung wurde Schönfließ teilweise zu einem Bergarbeiterdorf.

Unter Sorben und Bergarbeitern war es Tradition im Zeitraum von Winter und Frühlingsanfang Zampern zu gehen und Fastnacht zu feiern. Das Zampern bedeutete, dass man mit allerlei Kostümen, Masken und Instrumenten durchs Dorf zog um den Winter zu vertreiben und die "fruchtbare Zeit" zu empfangen. Dabei wurde an jedem Haus halt gemacht und um eine Zutat für das Zampern-Essen, auch "Kreschke" genannt, gebeten, dass je nach Tradition noch am gleichen Tag oder maximal am darauffolgenden Wochenende stattfand.

In Schönfließ folgte man lange Zeit der Tradition, dass man sich nach dem Zampern abends zum "Tonne-Tanzen" traf, bevor man sich am nächsten Tag zur Kreschke zusammen fand.
Beim "Tonne-Tanzen" forderten die Frauen die Herren dazu auf und versuchten dabei möglichst einen spendablen Herren zu finden, da die Männer, wenn der Tanz zu Ende zwar, Geld in eine bzw. die Tonne werfen mussten.

Trotz der (ersten) Stilllegung der "Grube Präsident" im Jahr 1927 behielt man den Brauch des Zamperns vor allem Dank der engagierten Dorfjugend in Schönfließ bei.
Durch den 1939 beginnenden 2. Weltkrieg kam es, wie fast überall, jedoch zum Erlahmen des Brauchs.

Erst 1955 zog man, allen voran die Dorfjugend, wieder von Haus zu Haus. Mit der Gründung des Heimatvereins von Schönfließ im Jahr 1991, übernahm dieser die Schirmherrschaft zur Durchführung des Zamperns und der Fastnacht. Wenig später wurde die Koordinierung, Organisation und Durchführung der Fastnacht dem sich gebildeten Schönfließer Fastnachtsclub übergeben.

Seitdem ist es in den letzten Jahren Tradition, dass auf das meist an einem Samstag durchgeführte Zampern, eine Woche später (am Donnerstag od. Freitag) die "Frauen- bzw. Altweiberfastnacht" in der zum "Schönfließer Ballhaus" umgeschmückten Sporthalle erfolgt. Am Tag darauf wird dann schließlich die "Fastnacht" gefeiert, so dass sich am Sonntag alle gut gelaunt und hungrig zur "Kreschke" einfinden.

Mit dem im Jahr 2016 erfolgten geschlossenen Eintritt des Fastnachtsclubs in dem Heimatverein Schönfließ e.V. ist der Heimatverein nunmehr Schirmherr und direkter Ansprechpartner für den Zamper- und Fastnachsbrauch in Schönfließ.

 

 

 


Informations- und Literaturgrundlage:

Vgl. Gansleweit, Klaus-Dieter: Eisenhüttenstadt und seine Umgebung, Ergebnisse der heimatkundlichen Bestandsaufnahme im Gebiet zwischen Oder, Neiße und Schlaubetal um Eisenhüttenstadt und Neuzelle. Berlin 1986.
Vgl. Hübner, Heinz-Joachim: Zampern und Fastnacht, in: Stadtspiegel, Informationen aus Eisenhüttenstadt. Februar/März 2006.
Vgl. Sichtling, Dieter: Eisenhüttenstadt wie es früher war. Fulda 1993.

-Gespräche und Erzählungen von älteren Einwohnern aus Schönfließ-.